Epilog aus dem Buch Regine

Von einer die auszog, um leben zu lernen...

...im Januar 1985 losgegangen, führte mich mein Weg nach Münster, für 2 Jahre nach Italien, schließlich nach Bad Pyrmont. Und immer wieder zurück in meine Kindheitshölle.

Es war ein harter, steiniger und anstrengender Weg. Mit steilen Abhängen und scheinbar unüberwindlichen Steigungen.

Es war ein mühsamer Weg, der voller Erkenntnisse, voller Informationen über mein Leben, meine Vergangenheit steckte.

Um leben zu lernen, mußte ich erst einmal sehen, hören und fühlen lernen. Dahin sehen, wohin ich bislang noch nicht gesehen hatte; darauf hören, worauf ich bislang noch nicht gehört hatte; das fühlen was ich bislang nicht gefühlt hatte und: das aussprechen, waozu ich jahrzehntelang geschwiegen hatte.

Schließlich lernen, mit den Entdeckungen und Erinnerungen umzugehen. Die komplizierten Zusammenhänge meiner Entwicklung verstehen - Berge von Zwängen abtragen, um einem Meer von Trauer Platz zu machen.

Und immer weitergehen. Um zu erfahren, was hinter dieser Trauer steht, die sich wiederum hinter Zwängen so lange versteckt hielt.

Mich schnell wieder umdrehen, zurücklaufen wollen, zurück zu den Zwängen, als ich erkannte, welches Ausmaß an Grausamkeit sich vor mir auftat.

Trotzdem weitergehen. Immer wieder Karaft und Mut zusammennehmend, um trotz allem weiterzugehen.

Um schwer angeschlagen, am Ende meiner Kräfte und meines Muts, einen winzigen, gelben Punkt wahrzunehmen, in dessen Richtung ANIMA mich zog.

Dann endlich erkennen: da ist die Sonne, da ist das Leben, wonach ich gesucht, die ganze Zeit gesucht habe.Das ich nicht leben konnte, solange ich nicht wußte, wo es ist, wie es geht. Wie es geht ein Leben ohne Zwänge ohne Leid zu leben.

Bis ich herausfand, daß alle Zwänge, alles Leid mit dem Inzestverbrechen zu tun hat.

Jetzt schlucke ich nichts mehr.
Jetzt zwinge ich mich zu nichts mehr.
Jetzt lebe ich ein freies Leben.
Fünf Jahre war ich unterwegs, um leben zu lernen.
Es ist soweit: ich bin zu Hause, ich bin bei mir

Briefe an die Autorin werden vom Verlag gerne weitergeleitet und sind ausdrücklich erwünscht.

Regine Michels führt außerdem Lesungen und andere Veranstaltungen zum Thema in Buchhandlungen, Zentren, Schulen usw. durch. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an den Verlag:
Ulrike Helmer Verlag
Altkönigstrasse 6 a
61462 Königstein / Taunus
FAX 061 74 / 93 60 61