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Ausbeuterische und zerstörerische (destruktive) Beziehungen -- wie kommt man davon los?

Woran erkennt man eine ausbeuterische und destruktive Beziehung?

Meistens erkennt man sie daran, dass der unter einer solchen Beziehung Leidende gar nicht den ausbeuterischen und zerstörerischen Charakter dieser Beziehung selber erkennt! Was er (vielleicht, aber auch nicht sicher) als einziges erkennt, ist, dass er LEIDET.

Klingt wie ein Widerspruch. Aber nur von außen betrachtet. Wer in einer solchen Beziehung mitten drin steckt, der sieht keinen Widerspruch.

Deswegen kommt er ja auch nicht aus dieser Art von Beziehung heraus. Wenn er den zerstörerischen Charakter erkennen würde, dann hätte er es sehr viel leichter, sich aus dieser Beziehung zu lösen.

Also: wer an etwas sehr stark leidet, sich benutzt ("wie ein Schuhabstreifer behandelt") vorkommt oder dergleichen, der sollte sich fragen, ob nicht vielleicht eine zerstörerische Beziehung dahinter stecken könnte.

Wie kommt eine zerstörerische Beziehung zustande?

Überlebende von körperlicher Misshandlung oder sexuellem Missbrauch waren bereits als Kind in einer extrem zerstörerischen und ausbeuterischen Beziehung gefesselt (existentiell abhängig), ohne dass sie damals etwas dagegen machen konnten. Für die Skeptiker: wenn SOWAS keine destruktive Beziehung ist, dann gibt es überhaupt keine zerstörerischen Beziehungen auf dieser Welt!

Gerade der Charakter sehr früher Beziehungen prägt einen für das ganze Leben: diese Beziehung dient als Modell für alle späteren Beziehungen. Aber auch spätere destruktive Beziehungen können sich sehr stark auswirken, vor allem wenn sie mit existentiellen Bedrohungen und Traumata verknüpft waren, die auf die unbewussten Tiefenschichten eingewirkt haben.

Die sexuelle Ausbeutung prägt nicht nur die Verhaltensmuster des Opfers sehr stark, sondern auch seine Beurteilungs-Maßstäbe. Opfer sind regelrecht "blind" gegenüber Ausbeutern; anders hätten sie damals die Ausbeutungs-Situation kaum überstehen können. Diese "Blindheit" war früher einmal wertvoll für das Überleben!

Wie kommt man davon los?

Erster Schritt: Einsicht.

Das Hauptproblem in dieser Phase sind die Verdrehungen, die von den Ausbeutern (nicht selten absichtlich! oft aber auch unbewusst) benutzt werden, um ihr Opfer zu verwirren und um Gegenwehr zu ersticken. Diese muss man unbedingt durchschauen lernen, ansonsten ist der Teufelskreis kaum zu durchbrechen!

Ganz wichtig: auch wenn die Ausbeuter zu den Haupt-Bezugspersonen gehören, sie sind als Ratgeber völlig ungeeignet!

Zweiter Schritt: innere Ablösung.

Dieser Schritt kann manchen Opfern sehr schwer fallen. Für manche waren destruktive Beziehungen die einzige Art, die sie überhaupt kannten und wie sie sich enge Beziehungen mit starker innerer Bindung überhaupt nur vorstellen können! Wenn der Ausbeuter ein sehr naher Angehöriger ist oder wenn eine Art von Hörigkeit mit im Spiel ist, kann dieser Schritt das Haupt-Hemmnis darstellen. Die negativen Seiten der zerstörerischen Beziehung werden ja beim Opfer ausgeblendet oder verharmlost, und die (fast immer auch vorhandenen) positiven Seiten werden überbetont. Nicht selten wird so eine Beziehung auch als existentiell erlebt, ähnlich wie der Missbrauch existentiell war! Hiervon muss man sich unbedingt frei machen.

Wegen der "Blindheit" ist auch die Motivation zur Ablösung oft sehr schwierig. Viele schaffen es leider erst, wenn der Leidensdruck wirklich extrem geworden ist; aber auch das Aushalten extremer Leiden sind Opfer ja leider meist gewöhnt.

Ich haben von Frauen gehört, die sich zusammenschlagen, vergewaltigen und an den Haaren herumschleifen haben lassen. Erst als nicht mehr zu leugnen war, dass auch ihr Kind missbraucht wurde, haben sie unter größten Mühen die Ablösung geschafft (wobei es genügend erwachsene Opfer von Missbrauch gibt, die berichten, dass ihre Mutter auch das nicht geschafft hatte).

Das Prinzip wirkt aber auch in scheinbar weniger extremen Fällen von Beziehungen außerhalb der Familie mit destruktiven Effekten wie Mobbing, Intrigen, Hetzjagden, Verletzungen der persönlichen Würde und vieles andere. Wie man in solchen Fällen angemessen reagiert, sollte ebenfalls in einer Therapie eingeübt werden.

Dritter Schritt: äußere Ablösung.

Auch dieser Schritt kann sehr schwer fallen, vor allem wenn existentielle Abhängigkeiten tatsächlich bestehen (z.B. finanzieller Art).

Hier kann ein neues soziales Netz mit ausgewogenen und gleichberechtigten Beziehungen sehr hilfreich sein.

Was nicht funktioniert:

... zu glauben, man könne zerstörerische Beziehungen wieder in Ordnung bringen. An einer Beziehung sind immer mindestens zwei Leute beteiligt: wenn einer von ihnen keine gleichberechtigte und von Wertschätzung geprägte Beziehung unterhalten will (auch wenn ihm das gar nicht bewusst ist), dann geht es nicht. Schlicht und einfach. Es ist sinnlos, so etwas zu versuchen. Schon gar nicht, wenn man der Ausgebeutete ist. Das hat auch einen logischen Grund: Beziehungen gehören zum ureigensten freiwilligen Bereich jeder Persönlichkeit. Man kann niemand zu einer Beziehung zwingen! Zerstörerische Beziehungen sind ja gerade von solchen Aufzwing-Versuchen geprägt. Der Teufel lässt sich nun mal nicht mit dem Beelzebub austreiben, das funktioniert nicht wirklich!

Das ist hart, und es ist traurig. Es hilft wirklich nur eins: B-E-E-N-D-E-N.

Auch wenn es eine existentiell wichtige Beziehung war.

Sonst geht das Leiden immer weiter.

Was auch nicht funktioniert:

... darauf zu hoffen, der andere würde sich irgendwann besinnen und sich ändern. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr. Und wenn, dann sind das Fortentwicklungen der Persönlichkeit, die Jahre brauchen! Willst du dich so lange (d.h. eventuell bis zu deinem Lebensende) noch weiterhin schlecht behandeln lassen?

Literatur


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