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Psychose / Paranoia / Psychiatrie

Mit "Psychose" und "Paranoia" werden psychische Erscheinungen bei Menschen bezeichnet, die "normale" Menschen als "verrückt" bezeichen, weil sie sie nicht verstehen können, und weil sie scheinbar grundlos beim Betroffenen auftreten. Meist kann der Betroffene auf Anfrage auch keine Auskunft darüber geben, da er sein inneres psychisches Erleben als "fremd" empfindet.

Schon seit Jahrhunderten werden "Verrückte" in die Psychiatrie eingeliefert und eingesperrt. Der umgangssprachliche Begriff "Irrenhaus" drückt ziemlich unverblümt aus, zu welchem Zweck die Psychiatrien ursprünglich gegründet worden sind: als Mittel zur sozialen Kontrolle. Die früheren Zwangsjacken sind heute weitgehend durch Medikamente ersetzt - dienen aber nach wie vor dem gleichen Zweck. Dies wird auch von vielen Vetretern psychiatrischer Richtungen ganz offen zugegeben bzw. ganz offen als Zweck der Psychiatrie charakterisiert!

Wer sich "freiwillig" in eine Psychiatrie begibt (oder wer darum "gebeten" wird), der sollte dieses Faktum unbedingt wissen!

Natürlich legen viele heutige psychiatrischen Einrichtungen Wert darauf, dass sie (auch oder vorrangig) für ihre Patienten da seien und ihnen helfen wollten. Ob dies gelingt, hängt jedoch von den Modellen ab, mit denen Symptome bewertet und auf Ursachen zurückgeschlossen wird (Wirklichkeits-Konstruktion).

Die heutige Psychiatrie fußt im Wesentlichen nach wie vor auf einem sehr alten Grund-Paradigma: endogen psychotische Erscheinungen seien Symptome einer "Krankheit", und zwar vorrangig einer "Krankheit im Gehirn". Wer als Überlebender von sexuellem oder physischem Missbrauch in die Mühlen der Psychiatrie gerät, dem wird durch diese Grundeinstellung vermittelt, dass er "krank im Kopf" sei.

Erst langsam meldet sich in einigen Zweigen der Psychiatrie (leider noch längst nicht durchgängig) eine Erkenntnis zu Wort: Überlebende von sexuellem Missbrauch und anderer Gewalt bzw Traumatisierte sind nicht krank im Kopf, sondern Geschädigte!

Das ist ein fundamentaler Unterschied!

Wer einem Geschädigten eine "Krankheit im Kopf" einredet, die er gar nicht hat, der vergrößert damit den Schaden!

Ich werde hier ein paar Thesen vorbringen, die einigen landläufigen psychiatrischen Überzeugungen widersprechen, und ich werde dafür Belege anführen.

Fast alle Psychiatrie-Schulen (zu denen moderne Trauma-Spezialkliniken ausnahmsweise meist nicht gehören) glauben, dass viele psychische Störungen durch Ungleichgewichte in der Körper-Chemie bzw. Biologie verursacht würden, und dass man deswegen nur durch Gabe von Medikamenten helfen könne; psychotherapeutische Maßnahmen brächten nicht viel oder könnten höchstens unterstützend eingesetzt werden. Selbst fortschrittlichere Kräfte, die inzwischen auch psychodynamische Ursachen in Betracht ziehen, ziehen in alter Freudscher Tradition meist nur unbewusste Konflikte (insbesondere den Ablösungs-Konflikt vom Elternhaus) in Betracht, anstatt endlich die schon lange bekannten Fakten über die Auswirkungen realer Traumata und der damit verbunden realen Konflikte zur Kenntnis zu nehmen!

Derartige Grundeinstellungen und die daraus resultierenden Fehlbehandlungen können für Überlebende von sexuellem Missbrauch und anderer Gewalterfahrungen buchstäblich tödliche Folgen haben - ganz besonders für diejenigen unter ihnen, die ihr Trauma noch verdrängt oder dissoziiert haben. Durch die klassische Voreinstellung der Psychiatrie und ihre Wirklichkeits-Konstruktion werden andere Ursachen außerhalb des chemischen Horizontes aus dem Blickwinkel verloren. Wer als Betroffener von sexuellem Missbrauch, der unter dissoziativen Symptomen wie Amnesie leidet und daher gar nicht von seinem Missbrauch weiß, das Pech hat, in die Mühlen einer solchen Psychiatrie zu geraten, der kann dort schwerste Schäden erleiden. Seine Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit kann bis zum Selbstmord gesteigert werden.

Diese Schäden sind zusätzlich zu den Schäden, die der Betroffene bereits als Kind durch den Missbrauch erlitten hat. Und sie wären vermeidbar, wenn die oft zu beobachtende betonharte Ignoranz seitens einiger Pychiater endlich aufgegeben würde!

Beispiele

Eine "Leidensgenossin" meiner Freundin war zusammen mit ihr in der Psychiatrie. Diese Leidensgenossin hat dort allen in der Gruppe folgendes erzählt: ca. 4 Jahr vorher, als sie ein 16-jähiges Mädchen war, wurde sie nach einem Disco-Besuch vergewaltigt.

Sie kam in die Psychiatrie, weil sie mit ihren heftigen Flashbacks im Alltag nicht mehr zurechtkam, die sie aufgrund dieser Vergewaltigung immer wieder einholten. Es kamen ihr einfach immer wieder heftige Bilder und Szenen aus dieser Vergewaltigung hoch.

In einem Gruppengespräch, das von einem Psychiater geleitet wurde, sagte sie in etwa folgendes: Sie war einige Zeit vorher wegen ihrer Essstörung in einer (anderen) psychosomatischen Klinik gewesen, in der man ihre Flashbacks als Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) erkannt hatte. In der jetzigen allgemeinen Psychiatrie wurde jedoch behauptet, sie habe eine Psychose. Als sie vor der Gruppe ihre Unsicherheit über die beiden total unterschiedlichen Diagnosen zum Ausdruck brachte, antwortete der Psychiater vor den Augen meiner Freundin folgendes: "Die [Leute] in der psychosomatischen Klinik haben keine Ahnung. Dies hier ist eindeutig eine Psychose."

Kein Wort über die Vergewaltigung. Und dies, obwohl sie genau erzählt hat, welche Sorte von Bildern bei ihr hochkam, und dass diese Bilder nicht weggehen.

Als sie ihre vormaligen Flashback-Symptome ansprach, wurde so getan und angedeutet, als ob es in Richtung "Hallus" (Insider-Slang in der Psychiatrie für "Halluzinationen") gehen würde.

Anstatt, wie in der wissenschatlichen Literatur gefordert, eine genaue Differentialdiagnose zu erstellen und andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen und sorgfältig gegeneinander abzuwägen, wurden nicht nur ihre Symptome ignoriert, sondern obendrein der anderen Klinik pauschal die Kompetenz abgesprochen und dann eine medikamentöse Psychose-Behandlung eingeleitet (da laut Aussage dieses und anderer Psychiater bei Psychose eine Psychotherapie angeblich überhaupt nichts nützen würde), die der Krankenkasse sicher viel Geld gekostet hat.

Eine andere Frau wurde vor den Augen meiner Freundin mit psychischen Mitteln effektiv zwangsbehandelt: mehrere gleichzeitig anwesenden Ärzte redeten solange heftig auf sie ein und drohten mit angeblich schlimmen Konsequenzen ihrer anfänglichen Weigerung, sich eine Neuroleptika-Depotspritze verabreichen zu lassen, bis ihr Widerstand irgendwann zusammenbrach und sie sich die Spritze mit den Hammer-Medikamenten willenlos injizieren ließ.

Meine Freundin hat nach der Überweisung in diese Psychiatrie eine Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis diagnostiziert bekommen, obwohl auch sie Flashbacks hatte und einige Zeit vorher bei einer ambulanten Untersuchung ein Anfangsverdacht wegen einer akuten PTBS geäußert worden war. Diese Psychose-Diagnose hat sie bereits beim Aufnahmegespräch in die Psychiatire nach etwa 15 Minuten erhalten, bei dem sie auf die Frage nach "Stimmenhören" korrekterweise geantwortet hatte, das dass früher mal gelegentlich vorgekommen war! Dass Stimmen auch bei dissoziativen Störungen und anderen intrusiven Trauma-Folgen auftreten können, wusste meine Feundin damals nicht und konnte diese "Fachdiagnose" daher auch nicht in Frage stellen. Weitere fachliche Untersuchungen zusätzlich zu diesem Aufnahmegespräch fanden nicht statt, obwohl sie angekündigt waren!

Auch bei meiner Freundin wurde behauptet, es handele sich klarerweise um eine organisch/chemisch bedingte Störung, gegen die angeblich nur Medikamente helfen würden. Die daraufhin in hoher Dosierung verabreichten Medikamente (Neuroleptika, Antidepressiva) haben sie beinahe kaputt gemacht. In einer sogenannten "psychoedukativen Gruppe" wurde ihr wiederholt eingetrichtert, dass sie unbedingt ihre Medikamente ihr gesamtes restliches Leben lang nehmen müsse. Ihr wurde gesagt, dass sie wegen ihrer schweren Krankheit nie wieder arbeiten können würde.

Alleine mit dieser Zukunfts-Vorhersage lag dieser Behandler (objektiv gesichert) total falsch! Allerdings vermutlich nur deshalb, weil meine Freundin auf eigenen Wunsch (entgegen ärztlichem Ratschlag) zwei Monate nach der Entlassung wieder eine Arbeit gesucht hat und danach die schweren Hammer-Medikamente (Neuroleptika) eigenmächtig abgesetzt (bzw. "langsam ausgeschlichen") hat (da sie auf der physischen Ebene süchtig machen, wie sie mir versichert hat) -- und siehe da, ihr ging es daraufhin besser! Nicht nur ihr Muskelzucken unter dem Auge (Tic), das sie während des Psychiatrie-Aufenthaltes entwickelt hatte (und ihrem Selbstbild schwer zu schaffen machte) ging daraufhin weg. Auch ihre schwere bleierne Müdigkeit und Depressions-Symptome, sowie das Fremdheits-Erleben ihres eigenen Körpers gingen weg!

Man muss sich das einmal vorstellen: das "Fremdheitsgefühl" stellt angeblich laut Literatur ein untrügliches Zeichen der Psychose dar, aber genau dieses bei der Aufnahme noch nicht vorhandene Gefühl wurde offensichtlich gerade von den Psychose-Medikamenten hervorgerufen! Auf die Idee, dass es sich eventuell auch um eine Derealisation (also ein trauma-bedingtes dissoziatives Symptom) gehandelt haben könnte, kam anscheinend niemand.

Ich habe noch Jahre nach diesem Psychiatrie-Aufenthalt ein Überzeugungs-System (Introjekt-System) bei meiner Freundin spüren können, das von Überzeugungen ihrer eigenen "Krankheit" und von "Hallus" gekennzeichnet war und erst jetzt nach einigen Jahren und vielen Gesprächen mit ihr langsam verblasst.

Fazit: die schweren Medikamenten-Geschütze haben sie damals wohl in Wirklichkeit arbeitsunfähig gemacht. Von sorgfältiger Abwägung der Nebenwirkungen und Risiken ihrer Medikamente war in dieser Institution keine Spur zu finden! Es wurde einfach behauptet, sie sei so schwer krank und die Krankheit (diagnostiziert war eine Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis) würde zurückkehren (d.h. laut Literatur über Schizophrenie und laut Eintrichterung in der "psychoedukativen Gruppe" angeblich zum geistigen Verfall führen), wenn sie ihre Medikamente nicht regelmäßig nehmen würde (Einschüchterung und Drohung, Einschränkung ihres freien Willens). Überprüfung ihrer Diagnose durch eine unabhängige andere Meinung? Fehlanzeige!

So wurde jedoch nicht nur meine Freundin behandelt, sondern auf systematische Weise praktisch alle, die aus irgendeinem Grund in dieser Station landeten.

Wie kann eine derartige systematische Fehlleistung zustande kommen?

Ich kann über diese Frage nur spekulieren. Rein theoretisch könnte es sich um Unwissen handeln, beispielsweise wenn neuere Forschungsresultate aus benachbarten Disziplinen einfach ignoriert werden, wonach beispielsweise auch Trauma-Opfer durchaus eine Psychose entwickeln können, die jedoch einer vollkommen anderen Behandlung (sowie einer sorgfältigen Differentialdiagnose) bedarf. Man kann sich aber auch folgende Fakten vor Augen führen:

Eine medikamentöse Behandlung meiner Freundin für den Rest ihres Lebens (d.h. mindestens 30, wenn nicht 50 Jahre) mit den extrem teuren Psychopharmaka (Neuroleptika) der aktuell neuesten Generation hätte mit Sicherheit ein Mehrfaches dessen gekostet, was eine Trauma-Therapie kosten würde.

Wer nun in dem komplizierten Geflecht von Klinik(-Leitung), Ärzten und Pharma-Industrie genau in welcher Weise davon profitiert hätte, entzieht sich meiner Kenntnis. Klar ist jedoch, dass es jemanden gegeben hätte, der von dieser Fehldiagnose und andauernden Fehlbehandlung enorm profitiert hätte!

Und zwar ein Profit auf Kosten der Krankenkassen, somit der Allgemeinheit!

Dabei sind die weiteren Folgekosten für die Allgemeinheit wie z.B. die Frühverrentung noch gar nicht eingerechnet.

Meine Freundin berichtet noch folgendes über diese Psychiatrie: Es gab wohl auch eine spezielle Psychotherapie-Station, die sich angeblich auch mit Trauma auskennt. Dorthin konnte man jedoch anscheinend nur kommen, wenn man sich die Pulsadern aufgeschnitten hatte (oder etwas von ähnlichem Kaliber; bei weniger schwerwiegenden Arten von SVV kam man jedenfalls in die Geschlossene). Andere Anzeichen, insbesondere Flashbacks, reichten dazu nicht. Das Schildern seiner Symptome und das Bitten um Aufnahme (oder schon beinahe Betteln) genügte hierfür auf gar keinen Fall.

Wie ich auf den Webseiten dieses Krankenhauses in Erfahrung bringen konnte, wird mit der Therapie von Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) zumindest heute (2007) gleich auf der Einstiegsseite geworben. Auf der Detail-Seite der Trauma-Station, auf die meine Freundin damals vor rund 5 Jahren nicht hinkommen konnte, steht sinngemäß folgendes: "PTBS, BPS und andere Persönlichkeitsstörungen stellen besondere Schwerpunkte unserer Arbeit dar."

Hier stellt sich bei mir die Frage, wie es kommen konnte, dass meine Freundin auf die falsche Station eingewiesen wurde, obwohl es auch vor ungefähr 5 Jahren eine passende Station gegeben haben muss. Lässt sich derart viel sytematische Ignoranz an so vielen Stellen und bei so vielen Patienten wirklich noch mit "Versehen" oder "Unkenntnis" (die einem Fachmann nicht unterlaufen darf) erklären?

Eine andere Frage: wer kontrolliert derartige systematische Fehlbehandlungen? Weshalb können manche Ärzte, ja sogar ganze Abteilungen und ganze Kliniken offenbar jahrelang unbehelligt derartige Fehldiagnosen mit derartigen Folgen für die Betroffenen stellen, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden? Fehlbehandlungen, die zudem noch ausgerechnet die Schwächsten, nämlich die wirklich Hilfsbedürftigen treffen?

Wer reformiert endlich unser Gesundheitssystem so, dass derartige systematische Fehlbehandlungen nicht wie bisher sogar noch finanziell belohnt, sondern endlich finanziell bestraft werden?

Störungen von Botenstoffen als Folge traumatischer Erlebnisse

Zunächst einmal ist aufzuzeigen, dass charakteristische Einstellungen und Überzeugungen mancher psychiatrie-gläubiger Mediziner, eine veränderte Psyche komme mehr oder weniger nur von der Körperchemie, auf sehr dünnem Eis gebaut sind.

Wie Trauma-Forscher um van der Kolk und andere durch Tierversuche herausgefunden und experimentell nachgewiesen haben, kann man (auch langfristige!) Störungen der Körper-Chemie reproduzierbar dadurch hervorrufen, dass man das Versuchstier traumatischem Stress wie z.B. Lebensgefahr aussetzt. Nicht nur kurzfristige, sondern insbesondere auch langlebige Veränderungen des Serotonin-Spiegels im Gehirn und anderer Botenstoffe wie Glukokortikoide sind experimentell nachgewiesen worden, insbesondere bei wiederholten Traumatisierungen (wie sie bekanntermaßen z.B. bei physischen oder sexuellem Missbrauch häufig auftreten). Diese Experimente belegen eindeutig, dass die Störung der Körper-Chemie eine Folge des erlittenen Traumas darstellt, während die Psychiatrie auch heute immer noch glaubt, die veränderten Botenstoff-Gleichgewichte seien die Ursache der psychischen Veränderungen.

Weitere Experimente belegen, dass dissoziative Störungen und Amnesien ebenfalls eine Folge von traumatischen Erlebnissen darstellen. Wer also bei einem Psychiatrie-Patienten lediglich Störungen des Gleichgewichtes von Botenstoffen feststellen kann, aber sonst nichts weiteres erfahren kann (insbesondere wegen Vorliegens von Amnesien oder der häufigen Verleugnung von Opfern, sie hätten eine glückliche Kindheit gehabt), der betreibt eine unzulässige und durch nichts begründete Schlussfolgerung, wenn er die Chemie als primäre Ursache der Störung ansieht, und er ignoriert damit auch den neuesten Stand der Forschung eines benachbarten Fachgebiets. Nichts auf der Welt kann nämlich belegen, dass die chemische Störung nur "aus dem Nichts" entstanden sein kann; Beweise für das Vorkommen des Gegenteils sind hingegen geführt worden.

Daraus folgt nicht, dass Medikamente rein theoretisch nicht auch unterstützend wirken könnten; die oft noch anzutreffende Attitüde von Psychiatrie-Ärzten, dass nur und ausschliesslich durch Medikamente Hilfe möglich sei, geht jedoch vollkommen an der Realität der inzwischen erbrachten Nachweise vorbei.

Vor allem: es muss aufhören, dass man das Vorliegen eines Traumas erst "beweisen" muss, bevor ein Mediziner überhaupt anfängt in Erwägung zu ziehen, dass vielleicht ein solches vorliegen könnte (von den zahlreich dokumentierten Fällen ganz zu schweigen, in denen deutliche Hinweise ignoriert oder bagatellisiert wurden, oder noch schlimmer als "Halluzinationen" uminterpretiert wurden). In Zukunft muss es umgekehrt gehandhabt werden: wer eine sogenannte endogene Störung sicher diagnostizieren will, der muss vorher alles andere sicher ausgeschlossen haben, insbesondere auch Traumata (was aus methodischen Gründen nicht leicht ist).

Es kann nicht angehen, dass Psychiatrie-Ärzte Überlebenden die Echtheit ihrer Erinnerungen absprechen und behaupten, ihre Störung könne einzig und allein nur durch Störungen oder Krankheiten im Gehirn erklärt werden; ich habe derartige Berichte über Psychiater bereits mehrfach von anderen Überlebenden gehört.

Für sexuell Missbrauchte kann die Zuweisung einer "Krankheit" oder "Störung" eine ähnliche Wirkung haben wie ein erneuter Missbrauch: Infragestellen eigener Wahrnehmung (wie durch den Täter => Beschädigung des Opfers), negieren und bagatellisieren des Opfer-Charakters, Verdrehungen durch angebliche "Halluzinationen" (analog zu den Täter-Verdrehungen), Gefühle von Ohnmacht und Verzweiflung (Steigerung der Depression / Dekompensation), und nicht selten auch die erneute Schuldzuweisung an sich selber, "versagt" zu haben. Versagt hat hier aber in Wirklichkeit die Psychiatrie als System!

So etwas kann fatale Folgen für Menschen haben, die sich in der Aufdeckungskrise befinden. Von den heftigen Nebenwirkungen der ohne Grundlage verabreichten Medikamente erst gar nicht zu sprechen...

Psychiatrie-Ärzte, die die neuere Literatur aus der Trauma-Forschung noch nicht einmal kennen (geschweige denn die notwendigen Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen gezogen haben, insbesondere zum Thema Amnesie), oder die herablassende Kommentare über angebliche Fehleinschätzungen von Kollegen aus spezialisierten Trauma-Kliniken abgeben, sind ihrerseits fehl am Platz und sollten aus ihren Posten entfernt werden, weil sie damit nur Schaden anrichten können. Die Krankenkassen könnten dadurch etliches an Fehlbehandlungs- und Folgebehandlungs-Kosten sparen.

Biologische und psychodynamische Erklärungen für psychotisches und paranoidales Verhalten

Zunächst einmal: bei einer Dekompensation, wenn lange Zeit dissoziierte / verdrängte Trauma-Inhalte flashback-artig ins Bewusstsein dringen und die normalen Verarbeitungsmöglichkeiten überfordern, kann es ohne weiteres auch zu psychotischen Symptomen kommen, die unter Umständen so heftig ausfallen können, dass die dahinterliegende PTBS davon weitgehend zugedeckt wird.

Woran liegt das?

Wenn jemand Lebensgefahr ausgesetzt wird, dann reagiert er nach evolutionsgeschichtlich sehr alten Mustern: entweder Flucht oder wütende Verteidigung; wenn beides nicht möglich ist, gibt es als dritte Alternative noch den Totstellreflex.

Diese biologischen Grundmuster entsprechen auf interessante Weise den Grundmustern von Störungen auf der psychischen Ebene:

Prinzipiell kann ein Bedrohter / Traumatisierter (insbesondere auch ein sexuell oder physisch missbrauchtes Kind) auf alle drei Arten reagieren! Also u.a. auch eine Psychose entwickeln!

Die klassischen psychodynamischen Theorien unterscheiden nur die Neurose von der Psychose, und weisen dabei der Dissoziation (Totstellreflex) keine eigene Kategorie zu - obwohl die grundlegenden Schwierigkeiten dieser reduzierten Sicht durch die Existenz der sogenannten "Borderline-Störung" (ursprünglich eine Mischform zwischen Neurose und Psychose) schon lange bekannt und dokumentiert sind. Bezeichnungen wie "schizophrene Psychose" (bei diagnostischen Unsicherheiten oft mit Zusätzen wie "aus dem schizophrenen Formenkreis") künden ebenfalls von den Unzulänglichkeiten des überkommenen Modells.

Ein modernes Klassifikations-Modell sollte nicht nur alle drei Reaktionsweisen klar unterscheiden, sondern den vielen Kombinations- und Mischformen auf allen drei genannten Reaktions-Achsen systematische Bezeichnungen durch ein neues, generisches (noch zu entwickelndes) Nomenklatur-System geben.

Eine Beispiel-Problemstellung: paranoidale Reaktionen können bei allen drei Reaktionsmustern auftreten; nach meinen eigenen Erfahrungen auch bei dissoziativen Verarbeitungsstrategien. Von ihrem Wesen her stellt Paranoia eine erhöhte Reiz-Empfindlichkeit gegenüber (potentiellen) Gefahren und Auslösern (Triggern) dar.

Weiterhin ist anzumerken und klarzustellen, dass die natürlichen biologischen Reaktionen auf Gefahr keine Störungen oder gar Krankheiten darstellen, sondern zu unserer lebensnotwendigen Grundausstattung gehören, die im Laufe einer langen Evolution entwickelt wurden. Gerade eine paranoidale Abwehr-Reaktion kann einmal ganz real lebensrettend gewesen sein, um drohende Wiederholungen frühzeitig erkennen zu können!

Meine These lautet deshalb:

Auch das, was Psychiater als Störung ansehen, ist aus subjektiver Sicht für den Betroffenen lebensnotwendig und hat eine mit den Symptomen zusammenhängende Ursache.

Das Finden der Ursache ist jedoch gerade bei Vorliegen von Amnesien ziemlich erschwert. Hinzu kommt, dass die drei Grund-Reaktionsmuster nur selten in Reinform, sondern meistens in verschiedenartig vermischten Formen auftreten. Diagnostisch umstrittene Störungsbilder wie die "Borderline-Störung" (ursprünglich eingeführt, um nicht eindeutig zuordenbares Entlangschrammen an der Grenze zwischen Neurose und Psychose mit einem Namen belegen zu können) künden von dieser methodischen Schwierigkeit.

Sodann muss eine vom Patienten wahrgenommene Ursache nicht immer in allen Fällen die tatsächliche Ursache darstellen. Verschieben der Ursache (Projektion) ist eine weitere Möglichkeit auf psychischer Ebene, um unlösbare Konflikte zwischen Flucht und Verteidigung aus subjektiver Sicht lösen zu können. Daraus folgt jedoch nicht, dass die wahre Ursache in der Realität weniger schlimm oder weniger lebensbedrohlich gewesen sein muss. Wer die Statistiken über das Ausmaß von sexuellem Missbrauch und Misshandlung in unserer Gesellschaft kennt, wird entsprechende Hinweise bei seinen Patienten nicht andauernd in Frage stellen; wer das trotzdem andauernd tut, der sollte seine eigenen unbewussten Motive aus seiner Lebensgeschichte aufarbeiten, denn sonst eignet er sich nicht zur Ausübung eines helfenden Berufes.

Beim Menschen können weitaus komplexere Störungen auftreten als bei einem Tier, u.a. weil ein Mensch auch deutlich komplizierter gelagerten lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt sein kann und eine deutlich komplizierte Gehirnstruktur aufweist (Neokortex).

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, typische Verhaltensmuster von sadistischen Tätern genauer zu untersuchen, die Kinder auf brutale Weise misshandeln: es werden Rede- und Denkverbote erteilt, es wird strikter Gehorsam mit Gewalt einprogrammiert, es werden Lösungswege und Auswege für das Opfer absichtlich und systematisch verbaut und verstellt, und zwar mit den Mitteln des Überlegenen. Als externer Link sei hier beispielhaft auf die Ausführungen von Alice Miller zu Hitlers Kindheit verwiesen. Kennzeichen von sadistischen Tätern ist nicht selten, dass sie total verschobene und verdrehte Einstellungen und Verhaltensweisen mit Gewalt an Kinder weitergeben - und zwar oft im Geheimen, ohne dass dies bei einer Anamnese erkennbar sein muss. Natürliche Verhaltensweisen des Opfers wie Schreien und Hilfesuche werden erneut mit schwerer Gewalt und Lebensbedrohung bestraft, Wehren wird unterdrückt und ideologisch verboten. Dadurch werden "Verrückte" regelrecht herangezüchtet. Wer nach einer derartigen "Erziehung" nicht verrückt (psychotisch) geworden ist, der hat in Wirklichkeit eine riesige Leistung vollbracht.

Das sollten diejenigen endlich begreifen, die solche Ursachen nicht diagnostizieren können, weil sich die Betroffenen wegen ihrer Amnesie nicht an Übergriffe derartigen Charakters erinnern können, oder ihre hartnäckigen Verleugnungen nicht durchbrechen können, oder ihre dissoziativen Verarbeitungsmuster wie innere Stimmen als "fremd" und "außerhalb" erleben und diese Interpretationsweise auf den Diagnostiker übertragen, oder die vor lauter Schuld- und Schamgefühlen nicht über ihren sexuellen Missbrauch sprechen wollen.

Wer ein Opfer von physischem oder sexuellem Missbrauch in Unkenntnis der Hintergründe falsch behandelt, der trägt zur Verstärkung und Verschlimmerung der Folgen bei. Nicht selten werden Betroffenen "Krankheiten" eingeredet, die sie im eigentlichen Sinne gar nicht haben (weil ihre Reaktion in Wirklichkeit ein verzweifelter Überlebensversuch ist). Die alte Missbrauchs-Dynamik wird mit Hilfe von Krankenkassen-Geldern und teuren Psychiatrie-Aufenthalten wiederholt.

Wie können psychotische und paranoidale Symptome durch Missbrauch und Misshandlung entstehen?

Die erste natürliche Abwehrreaktion bei Lebensbedrohung ist das Wehren. Gegenüber einem viel stärkeren prügelnden Vater ist dieses jedoch zwecklos. Sehr kleine Kinder oder Babies haben schon von vornherein keine Chance.

Leider wissen sich gerade prügelnde und misshandelnde Eltern bei Gesprächen mit Diagnostikern sehr gut zu tarnen und als gute Eltern darzustellen. Falls sie auch dissoziativ gestört sein sollten, können sie bei den typischerweise relativ kurzen Konsultations-Gesprächen eine vollkommen anderen Eindruck hinterlassen, der dem diametral entgegensteht, was sie im Geheimen anrichten. Das Erkennen abgespaltener Täter-Anteile ist von außen auf die Schnelle beinahe unmöglich - dazu wäre eine sehr lange und intensive Beobachtung erforderlich.

Ein Kind, dem auf systematische Weise jedweder Ausweg verbaut wird (und dabei möglicherweise auch noch dissoziative Verhaltensweisen vorgelebt bekommt), muss immer kompliziertere Bewältigungsmuster benutzen, um zu überleben. Beispielsweise haben Grundschulkinder noch nicht das gesamte Repertoire eines Erwachsenen, um sich zu wehren. Bei einem paranoidalen Wehr-Versuch wird das kindliche Repertoire benutzt, zu dem auch Projektion und rituelles Wehren gehört. Wenn man den bösen Papa nicht umbringen kann (weil man von ihm existentiell abhängig ist), dann killt man eben den Teddybären oder erschießt den bösen Geist, der auf dem Dachboden herumspukt, mit dem Plastikgewehr.

Damit haben wir bereits das Grundmuster sogenannter "psychotischer" oder "paranoider" Episoden. Es handelt sich um nichts anderes als um einem ganz normalen Wehrversuch, der für Kinder einer bestimmten Altersstufe sogar typisch und ganz natürlich ist.

Wenn Erwachsene in ausweglose Situationen geraten und alle Lösungswege versagen oder verbaut sind, dann greifen sie in der Not zu beinahe jedem Rettungsmittel, das sie kriegen können. Darunter auch diese kindlichen Wehr-Muster, zu denen sie schon damals in ihrer unbeschreiblichen Not haben greifen müssen, um zu überleben.

Was von Psychiatern als Regression in kindliche Verhaltens- und Abwehrmuster beschrieben wird, muss nicht unbedingt eine "Erfindung" von Erwachsenen darstellen oder als "Halluzinationen" fehlgedeutet werden. Es kann auch ziemlich genau das als Kind erlebte Klima darstellen und ausdrücken. Wenn die bekannten Statistiken über das Ausmaß von Kindesmisshandlung endlich ernstgenommen würden, dann hätten zweifelhafte Wirklichkeits-Konstruktionen wie innere Konflikte (oder etwa gar angebliche "ödipale Konflikte", mit denen die Täter-Opfer-Relation von den Helfern verdreht wird) keine Chance mehr - und es würde klar, dass die existentiellen Konflikte eines derartig geschädigten Kindes echt sind.

Ein Paranoider tut in Wirklichkeit nichts anderes, als sich verzweifelt aus einer für ihn ausweglosen und bedrohlichen Situation zu befreien versuchen. Leider ist diese Bedrohung oft nicht direkt sichtbar. Deswegen wird sie auf "Unsichtbares", "Imaginäres" verschoben. Daraus jedoch zu folgern, es handele sich um ein "grundlose" Reaktion, ist vollkommen falsch! Manchmal besteht diese subjektiv wahrgenommene Bedrohung auch in der Aussicht, den Rest seines Lebens in der Psychiatrie verbringen zu müssen (zirkuläre Bedrohungs-Szenarien, selbsterfüllende Prophezeiung).

Wer das weiß und beherzigt, der begegnet einem derart angeblich "Erkrankten" ganz anders als die herkömmliche Psychiatrie. Was letztere anzubieten hat, verschärft nicht selten den Druck und die Ausweglosigkeit, oder es zementiert das Leiden, nicht selten für den Rest des Lebens des Opfers.

Sekundärschäden durch die Psychiatrie

Eines der störendsten Probleme von Missbrauchs-Überlebenden in ihren ersten Aufarbeitungs-Phasen ist fast immer ihre durch das Trauma gestörte Wirklichkeits-Konstruktion, insbesondere in Form von Leugnungen des Missbrauchs, Verdrängungen, Verdrehungen, und Täter-Implantate (Introjekte), oder eben auch sogenannte "psychotische" Verarbeitungsmuster. Wenn die Psychiatrie eine weitere falsche Wirklichkeits-Konstruktion durch Zuweisung einer "Krankheit im Kopf" hinzufügt anstatt die alten zu lösen, dann ist dies nicht nur nicht förderlich für die Heilung von den Folgen sexuellen oder physischen Missbrauchs, sondern im Regelfall schädlich:

Für diese Folgen trägt die Psychiatrie als Institution die Hauptverantwortung!

Was kann man gegen Psychiatrie-Schäden tun?

Normalerweise lautet meine Standard-Antwort auf Fragen nach Schadens-Behandlung immer "Therapie". Wenn jemand aber erst einmal in die Mühlen der Psychiatrie geraten und davon einen Schaden abgekriegt hat, kann das für einen derart Betroffenen so wirken, als würde ich von ihm verlangen, er solle ein Feuer mit Hilfe von Benzin löschen.

Ich muss ganz ehrlich sagen: wenn ein System, das (zumindest theoretisch) hätte Hilfe bringen sollen, selbst zum Verursacher weiterer Schäden geworden ist, dann bin ich ziemlich ratlos.

Ich kann nur mit meiner eigenen Erfahrung gegenhalten: nachdem mich meine damalige Ehefrau bereits in die Psychiatrie einweisen lassen wollte und mein erster Therapie-Versuch seitens des behandelnden ärztlichen Therapeuten in eine unterschwellige Drohung mit der Psychiatrie ("ob ich wohl paranoid sei") gemündet hatte, habe ich mehrere Dinge getan: 1. ich habe diesem unfähigen Therapeuten sofort eine Absage erteilt, 2. ich habe mich nicht unterkriegen lassen (dank Unterstützung durch einen anderen Überlebenden) und nicht auf das Verhalten aller Therapeuten generalisiert, und 3. ich habe mir einen ganz anderen ambulanten Therapeuten (Psychologe) gesucht, der mit völlig anderen Methoden arbeitet:

  1. Gehe als erstes in die Schuhe des Patienten und sehe alles aus seiner Warte
  2. Versuche zu verstehen, was ihn zu dem scheinbar bizarren Verhalten bringt
  3. Helfe ihm beim Aufbau eines neuen starken Ichs: übernehme dazu zeitweise die Funktion eines Hilfs-Ichs, stelle dich als Verbündeter an seine Seite
  4. Erarbeite gemeinsam mit ihm weitere Möglichkeiten zur Vergrößerung seines Repertoires an Handlungsmöglichkeiten (Alternativen), z.B. sich überhaupt oder auf ganz andere Weise zu wehren
  5. Stärke seine Fähigkeiten (Ressourcen), z.B. sich produktiv zu wehren und sich zu behaupten
  6. Reduziere Belastungs-Faktoren, z.B. traumatische Belastungen (vgl. meine Erfahrungen mit EMDR).
Anmerkung: über weite Strecken ist dies das Gegenteil von dem, was manche Psychiatrien auch heute noch in ihrer praktischen Ausführung veranstalten.

Mein Therapeut ist übrigens Psychologe (ein sogenannter psychologischer Psychotherapeut), kein Arzt oder Psychiater. Dies hat den Vorteil, dass er Psychopharmaka wie z.B. Neuroleptika erst gar nicht verordnen (und an ihnen verdienen) kann, also eine versteckte Zwangsjacke durch die Hintertür erst gar nicht ausüben kann. Auch an den typischen systematisch vorkommenden Fehldiagnosen wie Psychosen oder Schizophrenie, die als Vorwand für medikamentöse Fehlbehandlungen dienen könnten, kann er als Nicht-Arzt von vornherein kein eigenes finanzielles Interesse haben.

Also: nicht aufgeben. Es gibt auch ganz andere Psychotherapeuten (vor allem ambulante). Ganz hervorragend einfühlsame Therapeuten, sie einen sofort verstehen und annehmen, sind zwar nicht immer sofort zu finden, aber es lohnt sich, nach ihnen zu suchen. Nicht jeder Kanister enthält Benzin - es kann auch Wasser drin sein. Wenn man nicht hinein sieht, kann man es jedoch nicht herausfinden.

Literatur


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